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| Interview mit der Danger Crew |
"Der Sex im Sound ist einfach wichtig!"
Wirft man einen Blick auf Münchens Drum'n'Bass-Szene sticht zuallererst der Name "Danger" hervor. Die Jungs mit dem harten Kern um DJ Docuba, DJ Rob und Agent Orange machten sich vor allem durch ihre legendären illegalen Partys (die auch der Süddeutschen Zeitung nicht entgingen) einen Namen und hoben sich stilistisch schon immer wohltuend vom Rest ab. Vormals unter "King Jungle" aktiv, waren sie neben "State of Riot" (aus denen die Southern Sessions hevorgingen) die Wegbereiter für Drum'n'Bass an der Isar. Anlässlich des 14-jährigen Jubiläums haben wir uns mit Dominik und Docuba getroffen, um ein bisschen Drum'n'Bass-Historie aus den Jungs rauszuquetschen.
dnbmuc.de: 14 Jahre "Danger Crew" - viele heutige Drum'n'Bass-Headz waren da noch in der Grundschule. Wie sah denn die Szene damals aus, wie hat alles angefangen?
Dominik: Naja, zu der Zeit als wir noch unter dem Namen "King Jungle" im Stromlinien-Club firmierten gab es außer uns eigentlich nur noch die "State of Riot"-Crew. Kennengelernt haben wir uns natürlich übers Auflegen, aber auch über den gemeinsamen Freundeskreis. Docuba beispielsweise kam ja eigentlich aus 'ner ganz anderen musikalischen Ecke...
Docuba: ..., wobei ich natürlich auch Jungle gespielt habe. Auf den ersten Drum'n'Bass-Partys wurde eh auch immer parallel Hip Hop und Ragga gespielt, was auch immer ganz hervorragend angekommen ist.
Dominik: Auch der Name unserer ersten Veranstaltung "M-Beat" (legendärer Jungle-Klassiker mit General Levy) im Stromlinienclub weist ja darauf hin. Der Uli, Besitzer des Clubs, suchte Leute für eben diese Veranstaltung, und wir dachten uns: Da gehen wir rein! Und so ging's los.
dnbmuc.de: Und wann habt ihr euch dann in "Danger Crew" umbenannt?
Docuba: Es kamen irgendwann immer mehr Leute dazu und der Sound hat sich ein wenig gewandelt, so dass "King Jungle" nicht mehr so gepasst hat.
Dominik: So um '96/'97 wurde es einfach elektronischer.
Docuba: Ja, vorher war der Sound entweder sehr raggalastig oder eben immer mit Horrorfilmsamples durchsetzt. Der Name "Danger" kam auf jeden Fall aus der Hip Hop-Ecke, von einem Busta Rhymes-Track, soweit ich weiß.
Dominik: Und unser künftiger Slogan mit "Bass Music for Bass People" kam auch zu dieser Zeit.
dnbmuc.de: Und wer gehört nun schlussendlich eigentlich zur Danger-Crew?
Docuba: Schwer zu sagen, Danger war schon immer mehr eine offene Gesellschaft. Im Endeffekt gehört jeder dazu, der uns in der Vergangenheit geholfen hat. Wir wollen da auch gar nicht uns selbst im Vordergrund stehen sehen, es war einfach schon immer eine Kollektiv-Geschichte.
dnbmuc.de: Aber es gibt doch einen Kern.
Docuba: Ja, es gibt einen Kern. Im Grunde besteht der aus Dominik und mir...
Dominik: ... und den ganzen Mädels, die immer tanzen. (lacht) Im Ernst: Wir müssen natürlich auch den Dino (DJ Agent Orange) und den Robert (DJ Rob) inklusive Freundinnen dazuzählen.
dnbmuc.de: Geht bei so einem Kollektiv-Gedanken nicht auch die persönlichen Aussichten auf eine DJ-Karriere verloren?
Docuba: Selbstverständlich. Aber diese DJs mochte ich noch nie. Ohne jetzt Namen zu nennen. (lacht)
Dominik: Da ist aber auch immer so eine Sache mit der Karriere: Entweder du bist ein verdammt guter DJ und hast die Chancen dir national und international einen Ruf zu erarbeiten oder du stehst eben wie wir mehr auf Clubkukltur und stellst dann deine persönlichen Interessen in den Hintergrund.
Docuba: Außerdem sind wir ja auch alles Leute, die einen anständigen Job haben und - sagen wir - jetzt professionell ihr Hobby betreiben. Das hat schon immer völlig genügt! Meine Aussichten auf eine DJ-Karriere habe ich schon vor sieben Jahren an den Nagel gehängt. Wir wollen einfach tolle Partys machen, bei denen die Leute abgehen...
dnbmuc.de: ... vor allem ja aber die Mädchen! Danger-Partys waren schon immer die Partys mit dem höchsten Frauen-Anteil.
Docuba: Ja, und ich kann's auch erklären, nachdem immer unser Leitspruch war: "Wenn eine Frau auf Drum'n'Bass tanzt, dann ist die Party cool!". War halt auch immer 'ne Sound-Frage.
Dominik: Der Sex im Sound ist einfach wichtig. Und der war bei uns halt immer da! Drum'n'Bass ohne Sex oder Funk bringt niemanden auf die Tanzfläche.
Docuba: Wir haben halt den ganzen Abend nicht nur "Höllenmusik" gespielt, sondern immer die Nische zwischen den Schubladen gesucht.
dnbmuc.de: Und was hat sich in München innerhalb der Drum'n'Bass-Szene in punkto Club- und Crewlandschaft in den letzten 14 Jahren getan?
Dominik: Na da müssen wir natürlich zuallererst euch Jungs vom DRUMNBASS-MUNICH.NET erwähnen...
Docuba: ... ja, aber im groben Überblick ist alles viel aktiver geworden! Was aber nur logisch ist: Anfang der Neunziger konnte man hier in München mit Drum'n'Bass eben überhaupt nichts anfangen. Heute gibt's einfach die Möglichkeit, auf Partys vor Leuten aufzulegen, die keine d&b-Heads sind, und es gefällt ihnen trotzdem.
Dominik: Es ist auf jeden Fall um einiges größer geworden. Am Anfang war es einfach Rebellen-Musik, dann kam der Hype, durch den dann die ganze Muffathalle voll war. Und dann hieß es, der Hype ist vorbei...
dnbmuc.de: ... und die Szene hat sich gesund geschrumpft?
Docuba: Ja. Jetzt hat d&B endlich eine feste Hörerschaft in München.
Dominik: Es funktioniert einfach!
dnbmuc.de: Also sprecht ihr ganz bewusst von "Stammpublikum".
Docuba: Na wir hatten ja schon desöfteren das Luxusproblem, dass zu viel Leute auf unsere Partys kamen.
Dominik: Das Internet tut ja auch sein Übriges. Da merkt man auch, dass der Nachwuchs wächst und wächst. Und die Leute, die von Anfang an dabei waren, sind mindestens genauso aktiv wie noch vor zehn Jahren.
dnbmuc.de: Und wie kommt ihr mit dem Nachwuchs zurecht?
Dominik: Wir freuen uns natürlich darüber, dass was nachwächst. Aber es tauchen natürlich auch Missverständnisse auf, wenn ein MC Lowqui (der bei den Dangers seine Karriere begann) auf der Bühne steht und den Leuten was Nachhaltiges erzählen will, zu dem ein 18-jähriger vielleicht noch nicht so den Zugang hat. Außerdem kommt es einem schon so vor, als stünde bei den Jüngeren der Aggro-Faktor mehr im Vordergund. Wir werden diesbezüglich auch dieses Jahr weniger Open-Air-Feste machen und in die Clubs gehen, auch wenn dann viele "Sell out!" schreien werden.
dnbmuc.de: Stichwort "Open Air": Was trieb euch damals eigentlich raus ins Freie?
Docuba: Ich glaube, nach der Ultraschall-Erfahrung (Please&Pain-Regular im Kultclub auf dem Gelände vom Kunstpark Ost) haben wir ja von '99-2000 erstmal Pause gemacht...
Dominik: ... weil der Club einfach so düster war. Die Luft stickig vor Nebel und dieses ganze Neon-Ambiente.
Docuba: Da haben wir in dem Keller einfach irgendwann schlechte Laune bekommen. (lacht) Und 2001 war so ein schöner Sommer und wir kamen - wie auch immer - auf die Idee unter der XY-Brücke (Name der Brücke geändert. Anm. d. Red.) ein Fest zu machen.
Dominik: Drauf gebracht hat uns eigentlich ein DJ von "Club Soda", der schon öfters dort umtriebig war. Wir sind dann einfach mal mit. Mit dem Resultat, dass die Leute die anschließende Live-Band aufs Übelste ausgebuht haben. Ja, und einige Wochen später haben wir dann derart motiviert unser eigenes Fest dort gemacht.
Docuba: Und auf einmal waren dann dort 8-900 Leute da. Wenn man auf die Brücke hochgestiegen ist, hat man im nächsten Umkreis rund um die Brücke nur noch Köpfe gesehen.
dnbmuc.de: Und was erzählt man einer Gruppe von Polizisten, die dann mitten während der Party vor einem stehen und das Ganze abblasen wollen?
Docuba: Das müsst ihr eigentlich den Dino (DJ Agent Orange) fragen. Der war immer unser Chefdiplomat.
Dominik: Aber im Grunde ist es ja auch nicht allzu schwer. Man muss einfach akzeptieren, dass der Polizist der Stärkere ist und immer freundlich bleiben. Wichtig ist es ja auch, den wirklich zuständigen Mann ausfindig zu machen. Namen abgeben macht auch immer gute Stimmung.
Docuba: Im Grunde haben wir ja auch nichts Böses gemacht. Das einzige Problem waren immer Anwohner, die sich wegen Ruhestörung beklagt haben. Man muss auch sagen, dass wir diesbezüglich in München auch sehr entgegenkommende Polizisten haben. In Paris wirst du da erst mal mit Handschellen abgeführt...
Dominik: Es ist natürlich auch äußerst wichtig grundlegende Sachen zu beachten. Die Location will sinnvoll gewählt sein, und um 23.00 Uhr schon voll aufzudrehen, ist totaler Irrsinn. Aber jede Woche eine illegale Party geht auch nicht, da wird die Polizei verständlicherweise dann auch rigoroser.
dnbmuc.de: Und was waren die besten Anekdoten eurer 14-jährigen Geschichte?
Dominik: Oh, zuallererst unsere beiden Versuche, Ed Rush nach München zu holen: Der wurde alle beide Male verhaftet... (lacht)
Docuba: Legendär auch die Autopanne von Doc Scott, den wir für's Ultraschall gebucht hatten und der dann aufgrund seines kaputten Fahruntersatzes sein Flugzeug verpasst hatte. Wir haben dann mit ihm telefoniert, und er war kurz davor, das Ding abzublasen. Nach stundenlangen Betteln hat er sich dann doch noch überreden lassen, so dass wir ihn dann um 2:00 am Stuttgarter Flughafen abholen mussten. In einem klapprigen Corsa! (lacht) Auf jeden Fall ist er dann um 3:00 rein in den Club, Tasche abgestellt und hat losgelegt.
dnbmuc.de: Und wann kam zum ersten Mal der Gedanke, die Sache einfach hinzuschmeißen?
Dominik: Ständig! (lacht) Wir waren halt schon immer so eine Vielzahl an Charakteren, aber im Endeffekt haben wir uns immer wieder zusammengerauft. Also eigentlich nie ernsthaft mit aller Konsequenz!
dnbmuc.de: Dominik und Docuba, wir danken euch für das Gespräch!
www.dangercrew.com
Dezember 2005 |
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