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| Interview mit den Machern von Digital Terrorists Rec. |
DNBMUC: Propac und Shuggar. Bitte stellt euch doch kurz vor! Wer ist bei Digital Terrorists Rec. für was zuständig?
Shuggar: EZ, männlich, auch wenn das Pseudonym öfter schon zu geschlechtsspezifischen Diskussionen geführt hat... hat auf jeden fall nix mit süß zu tun ;-)...
Wir sind bei DTR auf der Business-Seite ziemlich stark im 2er Team engagiert. Das meiste machen Propac und ich zusammen, z.B. Trackauswahl, Signing, Booking, Events und so, bei anderen Sachen teilen sich die Aufgaben. Propac hat das komplette Programming der Website übernommen, ich hab mich mit Distribution und dem rechtlichen Zeug auseinander gesetzt.
Aber im Endeffekt halten wir immer Rücksprache, wir entscheiden alles zusammen, ich denke das macht unser Team aus.
Propac: Servuz! Auch männlich! Auch wenn es manchmal zu Verwechslungen kommt, hat mein Name nichts dem Hundefutter zu tun…*lacht*
Shuggar hat es ja schon angedeutet, wie unsere Teamarbeit aussieht. Ich bin zusätzlich dafür zuständig, dass Chaos zu beseitigen, was Shuggar hinterlässt *lacht*
Shuggar: HaHa... man, und das stimmt sogar.
Labels gibt es nur wenige, DJs und MCs sind auf ein lokales Wirkungsspektrum limitiert. Woher nehmt ihr Motivation und Glauben, es mit Digital Terrorists Rec. schaffen zu können?
Shuggar: Labels sind die Institutionen, die den Sound aus ihrem lokalen Spektrum herausheben. Sie bieten eine Plattform. Das war auch eine unserer ersten Erfahrungen. Es schaffen können? In der heutigen Zeit ist das natürlich erheblich schwieriger, besonders im wahrscheinlich sterbenden Vinylmarkt, aber wenn wir uns auch anders orientieren und uns auch vor neuen Wegen nicht verschließen, haben wir eine annehmbare Chance hier zu überstehen.
Habt ihr denn bereits Erfahrung im Aufbau eines Labels sammeln können oder stürzt ihr euch einfach mal ins kalte Wasser?
Propac: Wir haben uns eigentlich einfach so ins kalte Wasser gestürzt. Zwar hatten wir die Idee von einem Label schon relativ lange, aber wer hätte gedacht dass wir das auch wirklich durchziehen. Erfahrungen haben wir in der kurzen Zeit auf jeden Fall sammeln können. Startschwierigkeiten hatten wir zwar allemal, jedoch haben wir in diesen paar Monaten schon einiges erreicht und darauf sind wir stolz – Schallplatte auf dem internationalen Markt – tatkräftige Unterstützung unserer Distributoren NTT, Toolbox, NAVD.
Shuggar: Nun, ich hab mich im Vorfeld ziemlich stark damit beschäftigt, eher theoretisch, und hab ein wenig rumgefragt, aber im Endeffekt war es pures learning-by-doing. Wir haben so viel gelernt, das kannst du dir nicht in 2 Jahren BWL-Studium aneignen. Ging dann alles sehr schnell.
Wie laufen die derzeitigen Arbeiten? Schon die ersten Steine in den Weg gelegt bekommen?
Propac: Anfangs hatten wir Schwierigkeiten einen geeigneten Distributor zu finden, die Aussage von einem Amerikanischen Distributor werde ich nie vergessen: "Wenn ihr einen Distributor in USA/Canada haben wollt, braucht ihr erstmal einen großen in Europa" Hallo? Aber mittlerweile haben wir dort doch einen gefunden und zwar "NAVD". Da gabs übrigens auch Probleme: Wir haben 30 Platten von Boston nach Californien geschickt, hat zum einen fast 2 Monate gedauert, zum anderen kamen von den 30 Platten nur 6 Stück an und die waren auch kaputt. Das lag wohl daran, dass wir als Absender "Digital Terrorists Rec." angegeben haben, das fand das FBI wohl nicht so lustig und haben das Paket und Inhalt komplett auseinander genommen. *lacht* die sind ja so bescheuert…
Shuggar: "Steine in den Weg" würde ich nicht sagen, höchstens ein paar kleine Rückschläge, die uns aber nicht davon abhielten weiter zu machen...die Resonanz war durchweg positiv, deshalb waren wir und sind wir von dem Ganzen noch mehr überzeugt und extrem geflasht.
Was sich, wie Propac schon erwähnt hat, als schwierig rausstellte, war die Gewinnung von Distributoren. Damit steht und fällt heutzutage das Geschäft!
Wie sieht die nähere Zukunft aus? Was bietet der Labelkatalog bereits?
Propac: Bisher eigentlich unsere aktuelle Maxi Single mit nem Track von mir und einem von Hell G. Aber auf die nächste darf man schon gespannt sein. Wir sind noch in den Verhandlungen... Mehr wird noch nicht verraten ;-)
Shuggar: Klar da wird nix verraten ;-)...
Aber man darf gespannt sein...Zurzeit trudeln ne Menge Demos ein, worüber wir uns immer sehr freuen... Leider hat uns bisher noch nichts davon so richtig überzeugt. Aber wir werden uns weiterhin jedes Demo anhören!
Was unterscheidet euch denn von anderen Labels? Gibt es den ureigenen "Digital Terrorists"-Style?
Propac: Der einzigste Unterschied ist bisher nur, dass wir noch relativ frisch im Labelbusiness unterwegs sind. Ich denke, die ersten Unterschiede werden sich mit der Zeit herauskristallisieren. Frag uns das am Besten in einem Jahr nochmal.
Wir sind eigentlich nicht darauf aus, einen ureigenen DTR-Style zu entwickeln. Wir sind eigentlich offen für viele Styles... Liquid oder Gebretter ist bei uns nicht ausschlaggebend... rocken muss es!
Shuggar: Nun ja das ist immer schwierig, diese Frage kommt ständig, welcher Sound ist euer, was macht euch aus, was unterscheidet euch. Das kann man pauschal nur mit ödem Marketinggelaber beantworten, aber wenn wir schon für etwas stehen wollen, dann doch für rockenden, swingenden, neuen Sound... alles was wir rausbringen, muss UNS gefallen.
In euren Biografien ist nachzulesen, dass alle Member mit ganz traditionellen Instrumenten ihr Handwerk gelernt haben. Inwiefern nimmt dies Einfluss auf eure Produktionen? Oder anders gefragt: Sollte man auch als "Computer-Musiker" zumindest ein Instrument beherrschen?
Propac: Es ist natürlich nicht zwingend nötig, aber ich denke es erleichtert einiges. Elementare Kenntnisse in Noten, Arrangement und Producing helfen enorm. Ich würde sagen, wer das Klavierspielen beherrscht hat schon halb gewonnen, leider kann ichs persönlich nicht, daher stoße ich manchmal auch an meine Grenzen... Übung macht bekanntlich den Meister.
Shuggar: Klar Klavierspielen wäre das Non-Plus-Ultra, aber es ist nicht wirklich nötig... Ein Trial-and-Error-Prinzip tut es auch, ist aber aufwendiger...
Wenn man keine Ahnung hat von Noten wird es mal knifflig und man wundert sich warum man die passende Note nicht findet. Außerdem wird man ohne Notenkenntnisse nie eine ausgefallene Jazzharmonie hinbekommen, falls man das will. Aber DnB ist eh viel mehr ein Sound aus dem Bauch heraus. Einfach probieren.
Mit der Zeit weiß man einfach, was zusammen passt und was nicht.
Wie stark schätzt ihr denn die Energien in Münchens Drum’n’Bass-Szene ein? Ein Nachteil, dass ihr nicht in den Hochburgen Mannheim oder Bremen startet?
Propac: Ich bin froh, in einer "Weltstadt" zu starten, die noch nicht total überlaufen ist. Ich halte München für eine geeignete Plattform um den Drum and Bass zu repräsentieren und von hier aus die Fäden zu ziehen. Zum anderen sehe ich es als Chance, Münchens Szene zu unterstützen und es zu dem zu machen was es verdient hat: Eine weitere Hochburg für Drum and Bass in Deutschland.
Shuggar: Hier in München ist es wunderbar dafür. Vielleicht ist es in dem Sinne einfacher, dass man was Neues, Interessantes schafft und eben nicht einer von vielen ist. Wir würden natürlich gern als das Label Münchens da stehen, aber das wird sicher noch ein Stück Arbeit, zumal wir auch noch die Fußstapfen von Southern Sessions zu füllen haben (Grüße an Ryan, Tobestar & J.MC).
Und was erwartet Ihr euch vom Label? Geld und Fame, oder doch eher einfach nur die Möglichkeit, eigene Tracks raushauen zu können?
Propac: Wenn wir auf Geld aus wären, hätten wir niemals ne Platte rausgebracht, da hätten wir nen Bausparvertrag gemacht oder das Geld in Aktien investiert, das wäre effektiver gewesen *lacht*
Wir danken ganz herzlich fürs Gespräch!
Propac: Ich danke Euch! Immer wieder gerne!
Shuggar: Grüße an die gesamte Münchner Szene.
www.digital-terrorists.com
Oktober 2005 |
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